Immer unter Strom: 5 Power Stations im Test - IMTEST

2022-06-16 09:25:49 By : Ms. Cindy D

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Flexible Energiespender für unterwegs: So haben die Power Stations im Test abgeschnitten.

Die Luft ist rein, der Himmel klar, die Vöglein zwitschern – herrlich! Wer ohne Wohnwagen und abseits von Campingplätzen in freier Natur unterwegs ist, wird sie vielleicht aber doch vermissen, die Annehmlichkeiten der Moderne: das Smartphone, um mit den Liebsten in Kontakt zu bleiben und Fotos zu schießen, eine Espressomaschine für frischen Kaffee, oder einen Mini-Kühlschrank für gekühlte Getränke. Mit Power Stations lassen sich beide Welten verheiraten. Sie verfügen über Riesen-Akkus, sind mit Steckdosen, USB- und Kfz-Anschlüssen ausgestattet und können in Verbindung mit einer Solartasche sogar Sonnenenergie in Steckdosenstrom umwandeln. Kurzum: Mit ihnen ist die Stromversorgung immer und überall möglich. IMTEST hat fünf Power Stations mit integriertem Solargenerator getestet.

Alle Testkandidaten können vielseitig Geräte mit Strom versorgen: USB-Anschlüsse machen Netzteile von Handys, Laptops und Ähnlichem überflüssig. Auch eine Bordspannungsdose für Kfz-Stecker bieten alle getesteten Stationen. Die klassische Steckdose versorgt mobile Haushaltsgeräte mit 230 Volt, dank integriertem Spannungswechsler (von Gleichstrom auf Wechselstrom). Die Modelle von Revolt und Goal Zero verfügen außerdem über 6-mm-Rundstecker, etwa für Kühlboxen. Kabelloses Laden mit kompatiblen Smartphones kann die kleine River mini mit bis zu 15 Watt.

Geht dem Handy die Puste aus, liefern Powerbanks Energienachschub. IMTEST hat drei Modelle von Anker geprüft.

Power Stationen haben nicht nur den Vorteil großer Akkus und der vielseitigen Energiespeisung, allem voran per Sonnenenergie. Sie können Strom auch auf unterschiedlichste Weise ausgeben: Per USB, Kfz-Stecker-Anschluss und dank Wechselrichter auch 230-V-Steckdosen. IMTEST erklärt, was welcher Anschluss bringt.

Unterschiede gibt es neben der Anzahl der Anschlüsse auch bezüglich ihrer Ausgangsleistung. Per Kfz-Steckdose schaffen vier von fünf getesteten Stationen bis zu 120 Watt. Das reicht für Kühlboxen, Ventilatoren und ähnliche Kleingeräte. Per USB ist nicht jedes Saftpaket leistungsstark: Mit bis zu 100 Watt per USB-C ist die Ecoflow River mini im Test die perfekte Wahl für moderne Notebooks und größere Drohnen.

Die Modelle von Anker, Revolt und Goal Zero liefern mit 60 Watt noch ordentlich Leistung. Der USB-C-Anschluss des Explorer 1000 eignet sich mit 36 Watt eher nur für Smartphones und kleinere Drohnen.

Kniffliger ist es mit Haushaltsgeräten. Hier entscheidet die maximale Leistung der 230-V-Steckdose darüber, was sich überhaupt betreiben lässt – und was nicht. Ein Ventilator benötigt in der Regel um die 25 Watt, ein Fernseher selten mehr als 100 Watt, eine Kochplatte schon 1.500 Watt, und bei manchen Geräten wie Espressomaschinen und mobilen Geschirrspülern schwankt die Leistungsaufnahme sogar. Die benötigen neben dem konstanten Verbrauch für kurze Zeitspannen besonders viel Strom, etwa zum Aufheizen (Anlaufleistung). Das stemmt nicht jede Station.

Um den Energiespeicher der mobilen Stationen zu füllen und um ihn zu leeren, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Jeder Testkandidat lässt sich sowohl per 230-V-Steckdose, etwa zu Hause oder am Campingplatz, als auch an der Automobilsteckdose betanken. Das geht am schnellsten. Die Modelle von Goal Zero und Anker mögen auch Strom per USB, etwa über ein modernes Laptop-Netzteil.

Um den Wettbewerb fair zu gestalten, bewertet IMTEST die Ladedauer im Verhältnis zur Akku-Kapazität. Hier schneiden Jackery und Revolt sehr gut, Ecoflow und Goal Zero gut ab, Anker hingegen nur ausreichend. Die Aufladung des nur 256 Wattstunden kleinen Akkus dauert mit 4:42 Stunden zu lange. Das eigentliche Highlight ist aber die Aufladung per Sonnenenergie. Hierzu braucht es ein faltbares Solarpanel, oft auch „Solartasche“ genannt. Die Fotovoltaiktechnik des Panels wandelt Lichtenergie in elektrische Energie um und speist damit die angeschlossene Power Station.

Doch nicht jeder Anschluss passt zu jedem Panel. Weit verbreitet sind der Anderson-Stecker sowie der 8-mm-Rundstecker. Größere Modelle wie die von Jackery und Revolt mögen beides. Die River mini von Ecoflow mag es exotischer und setzt auf den MC4-Anschluss. Der ist eher unter stationären Panels verbreitet, etwa auf Booten oder Autodächern. Die Stecker sind wasserbeständig, sogar nach IP-Norm zertifiziert, allerdings nicht für das ständige An- und Abstecken ausgelegt. Beim Kauf von Solartasche und Power Station ist also darauf zu achten, dass die Anschlüsse beider Geräte zueinanderpassen oder wenigstens entsprechende Kabeladapter beiliegen. Zur Not lassen die sich aber auch nachkaufen, für 10 bis 30 Euro.

Die größeren Stationen sind mit zehn Kilogramm (Jackery Explorer 1000) und 20 Kilogramm (Revolt HSG-1150) echte Schwergewichte, verfügen dafür aber über deutlich mehr Akku-Kapazität. Sie eignen sich weniger für den Strand als für längere Ausflüge ins Freie. Im Ausdauer-Test mussten alle Stationen einen Computer, einen Monitor und ein Smartphone gleichzeitig und dauerhaft mit Strom versorgen. Ein kräftezehrendes Szenario, bei dem kleine Stationen den Kürzeren ziehen. Die Explorer 1000 (12:52 Stunden) und die HSG-1150 (18:14) hängen ihre Konkurrenz mit ihren Riesen-Akkus ab. Wie lange typische Nutzgeräte mit Strom versorgt oder wie oft sie aufgeladen werden können, veranschaulicht die Übersicht.

Mit einer Mini-Solaranlage lässt sich Strom vom Balkon gewinnen. Was es dabei zu beachten gibt, verrät IMTEST.

Wie oft lässt sich ein Notebook, ein Smartphone oder eine Drohne aufladen, wie lange eine Kühlbox, ein TV oder eine Spülmaschine betreiben? Die Grafik gibt Aufschluss. Die Leistungswerte unter den Geräten in Wattstunden und Watt sind dabei für die jeweilige Gerätegattung exemplarisch.

Die Akku-Technologie schließlich hat Einfluss auf viele Faktoren: Nachhaltigkeit, Langlebigkeit, Gewicht und Sicherheit. Drei der fünf Power Stations setzen noch auf NMC-Akkus (Nickel-Mangan-Cobalt), die zwar besonders leicht, doch auch anfällig für Brandgefahr sind. Aufgrund der sehr hohen Energiedichte besteht diese bei extremen Temperaturen oder Beschädigungen. Dass dies kein theoretisches Risiko ist, zeigen wiederholt Fälle von brennenden Smartphone-Akkus.

Sicherer sind LiFeP04-Akkus (Lithium-Eisenphosphat), wie in den Modellen von Anker und Revolt. Die Brandgefahr ist laut aktuellem Forschungsstand minimal bis ausgeschlossen. Zudem sind sie langlebiger: Bis zu 2.000 Ladezyklen versprechen die Hersteller, bevor der Akku nur noch 80 Prozent seiner Kapazität fasst. Hier gilt es sich zu entscheiden, was bevorzugt wird: die Sicherheit und Langlebigkeit eines LiFeP04- Akkus oder die Mobilität eines NMC-Energiespeichers.

Mit großem Akku, langer Laufzeit, vielen Anschlüssen und ordentlich Power holt sich der Jackery Explorer 1000 den Testsieg. Ankers 521 beweist sich mit vielseitigen Anschlüssen und ausreichender Leistung für Kleingeräte als kompakter Reisebegleiter und wird nicht zuletzt aufgrund des erschwinglichen Preises entsprechend Preis-Leistungs-Sieger.

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